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Aus dem Depot

Das besondere Ding: Waffeleisen

Im Zuge der Sanierung unseres Hauptstandorts im Katharinenkloster und der Neugestaltung der dortigen Dauerausstellungen räumen wir unsere Depots auf, inventarisieren, digitalisieren und finden immer wieder Objekte, über die wir staunen, deren Funktion wir selbst nicht kennen, die wir lustig, schön oder hässlich finden. Wir möchten Ihnen diese nicht vorenthalten und stellen sie Ihnen daher hier in loser Folge vor.

Neulich erst ein Grießpudding, nun auch noch ein Waffeleisen? Offenbar sind wir des öfteren hungrig und finden deshalb immer Dinge, die mit Essen zu tun haben ...

 

 

Waffeln für Karl XII.? Aber bitte mit Logo!

Ein Waffeleisen mit einem Logo? Das Prinzip ist ja bis heute bekannt. Ein Waffeleisen besteht aus zwei runden Eisenplatten, die nach Befüllung geschlossen werden, um den rohen Teig in der Mitte in Form zu pressen und dann mithilfe von Hitze zu backen. Da dieses insgesamt fast 87 cm lange Waffeleisen vorindustriell produziert – in diesem Fall vermutlich von einem Kleinschmied von Hand geschmiedet – wurde, ist es unregelmäßig in der Form und vermutlich ein Einzelstück. Das Waffeleisen hat sehr lange Griffe, die mit einer metallenen Öse zusammengehalten werden, wenn es nicht benutzt wird.

Vor der Einführung spezieller schmiedeeiserner Öfen zu Beginn des 19. Jahrhunderts und der Erfindung des elektrischen Stroms gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch offene Feuer oder Kamine, die mit Brennmitteln wie Holz oder später Kohlebriketts beheizt wurden. Das Waffeleisen legte man aber nicht unbedingt direkt in die Flamme hinein, es konnte auch ein Brikett auf das Eisen gelegt werden, das sich dann gleichmäßig erwärmte. Das Eisen wurde so oder so sehr heiß. Um sich nicht zu verbrennen, benutzten die Menschen lange Griffe bei Pfannen und eben auch Waffeleisen.

In weiche Materialien wie Wachs, Butter oder Teig lassen sich leicht Ornamente, Bilder oder Schrift aufbringen. Bei Waffeln ist das Motiv im Eisen immer spiegelverkehrt als Negativ zu sehen, auf der Waffel ist es dann das Positiv. Bei diesem Waffeleisen des STRALSUND MUSEUM wurde die Backform mit einem Durchmesser von 17,5 cm mit einem Blattkranz graviert. Darin ist ein Wappen mit zwei sich ansehenden Löwen, dem gespiegelten Buchstabe C mit Königskrone und der römischen Zahl 12. Wenn das nicht das Monogramm (auch: die Namenschiffre) des schwedischen Königs Karl XII. (1682–1718) ist! Der Buchstabe C steht für lateinisch Carolus Rex, wie sich Karl auch nannte.

Waffeleisen sollen in Schweden allerdings bis ins 19. Jahrhundert noch rechteckig gewesen sein. Erst mit Einführung einer neuen Art von gußeisernem Ofen (schwedisch gjutjärnsspis) wurden runde Waffeleisen hergestellt, da diese dort besser hineinpassten. Aus diesem Grund ist bisher nicht bekannt, ob das Waffeleisen noch zu Regierungszeiten Karls XII. oder erst im 19. Jahrhundert und damit lange nach seinem Tod angefertigt worden ist. Wir halten die Herstellung im 18. Jahrhundert aber für wahrscheinlicher.

Das STRALSUND MUSEUM bewahrt in seiner stadthistorischen Sammlung nicht nur andere Objekte auf, die einen Bezug zur Schwedenzeit und zu Karl XII. von Schweden haben, sondern auch weitere Waffeleisen, die kulturhistorisch interessant sind: Die Innenseiten der Eisenplatten wurden zum Beispiel in Form von Tierfiguren (wie Hirsche) gegossen oder mit Monogrammen graviert.

Doch wofür wurde dieses Waffeleisen verwendet? Als Hochzeitsgeschenk oder zur Nutzung bei Festmahlen? Zu Neujahr für Neujahrswaffeln mit knusprigem Teig? Bei Volksfesten zur Propaganda für das Königtum?

Wissen Sie mehr? Haben Sie in Ihrer Sammlung auch ein Waffeleisen mit dem Logo Karls XII.? Dann schreiben Sie uns gerne an museum [at] stralsund.de.

Mareike Wöhler

Technische Daten

Europa 18. Jahrhundert

Länge 86,5 cm, Breite 17,5 cm

Eisen

Inv.-Nr. 2018:527

Ein Doppeladler ziert die andere Innenseite des Waffeleisens. Er ist von Lorbeer umrankt. Über und unter ihm wurde je eine Blüte aufgebracht. Anstelle der oberen Blüte ist auf Münzen der Zeit häufig eine Krone abgebildet.

 

Zum Selbermachen

Ein Hofkoch König Williams namens Robert Smith hat erstmals 1724 ein Kochbuch mit Rezepten für den englischen Hof herausgegeben. In der zweiten, stark erweiterten Auflage aus dem Jahr 1725, Court Cookery: Or; the compleat English book [...], steht auch ein Waffelrezept. Wir haben es hier aus dem Englischen übersetzt: 

Nimm' Mehl, Sahne, Sherry, Muskatnuss*, Zucker, Eier, Hefe von beliebiger Menge und mixe sie zu einem Teig. Lass' ihn zum Aufgehen stehen. Dann füge etwas geschmolzene Butter hinzu und backe eine [Waffel], um sie zu probieren. Falls sie verbrennt, gib' mehr Butter dazu.

Für die Sauce: Schmilz' Butter mit Sherry, raffiniertem Zucker und Orangenblütenwasser.  

 

* Bitte nur geringe Mengen verwenden, da sonst giftig! Aufgrund der Verwendung des Sherrys ist dieses Waffelrezept nicht für Kinder geeignet.

 

1780 erschien in Greifswald das ins Deutsche übersetzte und 640 Seiten umfangreiche Werk der schwedischen Autorin Christina Warg, Schwedisches Koch- und Haußhaltungs-Buch: nebst einem Unterricht auf Seide, Wolle und Leinen zu färben: zum Nutzen junger Frauenzimmer entworfen.[1] In ihm sind mehrere Waffelrezepte zu finden.[2]

Hier geben wir das Rezept für Zucker-Waffelkuchen wieder, in dem auch der Umgang mit dem Waffeleisen beschrieben wird. Die Schreibweise und Maße haben wir behutsam an die heutige Schreibung angepasst und etwas gestrafft, das Original können Sie sich unter dem oben hinterlegten Link ansehen: 

Schlage 6 Eier in einer Schale, nimm 16 Löffel raffinierten Zucker dazu und arbeite beides tüchtig mit einem hölzernen Löffel durch. Nimm' nun 16 Löffel gutes Weizenmehl und rühre es dazu, ebenso 8 Löffel ungesalzene Butter. Arbeite alles gut zusammen.

Lege das Waffeleisen auf das Feuer und lass' es tüchtig warm werden. Den Teig portioniere nach der Größe des Eisens und lege nur so viel hinein, dass es gerade so voll wird. Klemme das Eisen dann zusammen und wende es während des Backens auf beiden Seiten um.

Diese Kuchen sind besser kalt als warm zu essen.

 

Wir wünschen Guten Appetit und Smaklig måltid!

[1] Das schwedische Original trägt den Titel Hjelpreda i hushållningen för unga fruentimber und erschien bereits in vierter Auflage. Auch die deutsche Übersetzung erlebte mehrere Auflagen. Dies spricht für eine weite Verbreitung der Rezepte im südschwedischen Ostseeraum.

[2] Mit herzlichem Dank an Katrin Hoffmann aus Stralsund für den wertvollen Hinweis.